Klimawandel trifft Obstbau – Kann Forschung den Obstbau fit für die Zukunft machen

Unter dem Motto „Klimawandel trifft Obstbau“ fand am 24.11.2021 unter dem Projekt „Management des Klimawandels im Obst- und Weinbau mit innovativer Züchtung“ (MaKOWIZ), ein digitaler Experten-Talk statt. Es handelt sich um den zweiten von drei Teilen, mit Fokus auf Obstbau. In Teil eins wurde der Weinbau fokussiert, im dritten Teil, welcher am 17.12.2022 stattfinden wird, liegt der Fokus auf der Landwirtschaft. Weitere Infos: https://bit.ly/3DRr8bz und https://bit.ly/3s8zlG4

Dr. Flachowsky sieht große Herausforderungen für die Züchtung. Auf der einen Seite steigt der Druck durch bereits etablierte Schaderreger, wie Schorf und Mehltau, andererseits breiten sich neue eingeschleppte Schaderreger, wie die Marssonina Blattfallkrankheit (Diplocarpon coronariae, früher M. coronaria) aus. Auf Diese als Anbauer zu reagieren wird durch den Green Deal und die Ackerbaustrategie immer schwieriger. In Zukunft werden wohl stärkere Unterlagen benötigt, um die Wasseraufnahme zu optimieren und der erhöhten Verdunstung (durch Temperaturanstieg) entgegenzuwirken. Die Züchtung sollte wieder mehr auf regionale Bedürfnisse züchten. Wenn das Kältebedürfnis über die Winterzeit nicht erfüllt wird, kommt es zu asynchroner Blüte und unterschiedlichen Fruchtgrößen. Wenn allerdings das Wärmebedürfnis zu früh erfüllt wird, führt es in der Regel zu verfrühten Blühterminen, bei denen die Spätfrostgefahr deutlich höher liegt und massive Schäden anrichten kann.  

Im Alten Land hat sich das Spätfrostrisiko nicht merklich reduziert, wobei die Apfelbäume generell früher zu blühen beginnen, sagt Jörg Hilbers. Um die Spätfrostschäden abzuwehren sind, als Faustzahl, ca. 30 m³/ha/h an Wasserreserven zurückzuhalten. Auch vor Gefahren wie Hagelschlag wurde gewarnt. Während in Süddeutschland bereits 80 % unter Hagelnetzten angebaut wird, gibt es im Norden und Osten einigen Nachholbedarf und dadurch hohe Investitionskosten. Es wurde berichtet, dass es früher wenig Sonnenbrandschäden an den Äpfeln gab, es heutzutage aber immer häufiger beobachtet wird. Besonders anfällig ist hier die Sorte ´Holsteiner Cox´. Auch Überschwemmungen, durch längere Starkregenphasen können Schäden anrichten. Um weiterhin eine Durchlüftung des Wurzelraumes zu gewährleisten ist das ziehen von Drainagen oder der Anbau auf Dämmen nötig. Zur Gefahr von häufigeren und länger andauernden Dürren, empfehlen sich stärkere Unterlagen, welche durch ein erhöhtes Wurzelwachstum besser mit der Wasserknappheit zurechtkommen. Auch hier wurde wieder vor neuen Schaderregern und Heimischen, die durch den Klimawandel begünstigt werden, gewarnt. Gummifäule (Phacidiopycnis washingtonensis) nach der Lagerung, Schwarze Sommerfäule (Diplodia seriata), Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) oder Wanzen wie z.B. die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) oder die Graue Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa) aber auch altbekannte Schädlinge wie der Apfelwickler (Cydia pomonella) sind aktuelle Probleme, die auch in Zukunft relevant sein werden. So hat z.B. die Marmorierte Baumwanze 2019 in Norditalien 600 Mio. € Schaden verursacht und ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen. Verschärft wird die Situation noch durch den Wegfall von Pflanzenschutzmitteln. So sind Apfeltriebsucht, Birnenverfall oder auch die Blutlaus immer schwerer kontrollierbar.

Auch im biologischen Anbau werden die Probleme mehr, sagt Philip Haug. Viele Krankheiten werden durch händisches Auspflücken in Schach gehalten, was natürlich sehr Arbeits- und damit auch Kostenintensiv ist.  Hier wird in der Züchtung hauptsächlich auf Robustheit gesetzt, was hinsichtlich des Wegfallens von Pflanzenschutzmitteln auch eine gute Strategie für die integrierte Produktion sein kann.

Dr. Manuela Zude-Sasse gab einen Einblick in die Digitalisierung des Obstbaus. In Zukunft könnte es möglich sein, Mithilfe von Wärmebildkameras und Wetterprognosen, Modelle zur Warnung vor Sonnenbrandschäden zu entwickeln. Mithilfe eines LiDAR-Laserscanners können außerdem Blattflächen ermittelt werden, um so eine bessere Bilanzierung des Wasserhaushaltes vorzunehmen. Mit dieser Maßnahme kann dann genauer bewässert werden, um beispielsweise eine gezielte Defizitbewässerung zu bestimmten Wachstumsphasen zu fahren, was sich wiederum auf die Qualität der Früchte auswirkt.

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